Mittwoch, 11. Mai 2016

Geostrategische Kuchenperformances über den Dächern

oder 100 Jahre nach Sykes und Picot verteilen Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck den nahen Osten unter sich neu auf und verspeisen mit einigem Vergnügen u.a. die französische Einflußzone auf Probe.

Seit ihrem Österreich-Ungarn Aufenthalt im Museumsquartier zu Wien entwickeln die beiden Konzept- und Konfektkünstler anhand weltpolitisch relevanter Karten historische Schicht- und Schlachttorten. Sie stellen dabei die Frage: WIE VERDAULICH KANN GESCHICHTE SEIN oder muss sie noch werden.... Doch zurück zum Anfang. Zum hundertsten Jahrestag von Sykes und Picot.

Ausschnitt aus der historische Karte von Sykes und Picot - (A entspricht der französischen Einflußzone)

Wir erinnern uns: Das Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 war eine geheime Übereinkunft zwischen den Regierungen Großbritanniens und Frankreichs, durch die deren koloniale Interessengebiete im Nahen Osten nach der Zerschlagung des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg festgelegt wurden. 

Unterschriften von Sykes und Picot vom 16. Mai 1916
Das Abkommen wurde im November 1915 von dem französischen Diplomaten François Georges-Picot und dem Engländer Mark Sykes ausgehandelt. Nach ihren unter verschlossenen Türen getroffenen Absprachen sollten die künftigen Grenzen von Syrien, Jordanien, Irak und der Türkei geregelt werden. 

Das gut gehütete Geheimnis flog auf, als nach der russischen Revolution 1917 die Archive der  Diplomatie des Zaren geöffnet wurden. Damit wurde zum Zorn der arabischen, kurdischen oder türkischen Zeitgenossen klar, das andere geheime oder offene Abkommen mit ihnen jeweils hinfällig oder schlichtweg überbewertet - weil irgendwie nie wirklich ernst gemeint warten. WER IN ALLER WELT WOLLTE JEMALS EINEN ARABISCHEN STAAT? Bei all dem Öl dort? Never! Jamais! Niemals, vielleicht....äh oder besser doch nicht?

Im Kontext der Ausstellung "u.a. Europa" findet am 19. Juni 2016 um 15 Uhr auf dem Platz des Westfälischen Friedens in Münster eine leckere geostrategische Kuchenperformance statt.

DER WDR BESUCHTE UNS BEIM BACKEN ZU HAUSE UND IN DER GALERIE.
HIER GEHTS ZUM BERICHT.

Genagelte franz. Zonengrenze von 1916
Susanne von Bülow sticht ihren Anteil vom Kuchen aus.

Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck schlagen eine Nagelspur entlang der von Sykes und Picot vereinbarten Linien und Markierungen der möglichen Einflußzonen vom 16. Mai 1916 auf eine historische Landkarte ein. Danach zwingen sie einen millimeterstarken Aluminiumstreifen in die genagelte politische Demarkationslinie. Es entsteht dabei ein geschichtskontaminierter Ausstecher, der es erlaubt, daraus eine historische Torte zu entwickeln.

Als eine Übung vor der großen Performance NOCH NIE WAR GESCHICHTE SO LECKER!
Hier sehen wir Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck bei der Verspeisung des Libanon in Form eines Picot Teilchens auf ihrem Dach in Münster...




Demnächst mehr von den kulinarischen Forschungen rund um den arabischen Herbst 2016.

Wir wünschen jetzt schon einmal guten Apetit!

Bernd Luthat
für den Der Meisterschüler
Link zur Einladung auf Facebook.